„Schicksalspfad“ – Ein Buch gegen Diskriminierung und Antisemitismus
von Birgit Hannemann
In wenigen Tagen erscheint das Buch „Schicksalspfad“, ein bedeutender Beitrag zur jüdischen Geschichte unserer Region – entstanden durch das Engagement zahlreicher Mitwirkender, zu denen der Dipl.-Theologe und Religionslehrer Carl-Wilhelm Bienefeld, der Historiker Reinhold Mohr, der 1. Brudermeister von Büttgen, Dr. Frederick Krüll und die Lehrerin Nadine Graber sowie der Schulleiter Daniel Wienold gehören. Das Werk ist nicht nur ein historisches Zeugnis, sondern auch ein persönliches Vermächtnis. Zwei der Mitwirkenden, die sich mit großer Leidenschaft für dieses Projekt engagiert haben, sind leider vor der Veröffentlichung verstorben. Ihre Beiträge jedoch leben weiter – als Teil einer aktiven Erinnerungskultur, ebenso wie das bewegende Schicksal von Dr. Winfried Selbiger, eines jüdischen Arztes, dessen Lebensgeschichte im Zentrum des Buches steht.
Ausgangspunkt war ein Projektkurs zur jüdischen Geschichte an der Emmy-Noether-Gesamtschule, der schließlich zur Verlegung eines Stolpersteins durch den Künstler Gunter Demnig im Oktober 2022 in Büttgen führte. Mit dieser Gedenkaktion wurde das Schicksal Dr. Selbigers, der seinerzeit in Büttgen praktizierte, eindrucksvoll ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Die Stolperstein-Initiative von Demnig ist heute das größte dezentrale Mahnmal in über 30 Ländern Europas – ein sichtbares Zeichen gegen das Vergessen. Ein weiterer historischer Aspekt, der im Buch bearbeitet wird, ist der sogenannte „Jüddepad“ – ein ehemaliger Kaufmannsweg zwischen Büttgen und Glehn, der durch intensive Recherche wiederentdeckt und dokumentiert wurde. „Schicksalspfad“ beleuchtet das jüdische Leben in Kaarst und der Region zwischen 1933 und 1945, analysiert das erlittene Unrecht und stellt dabei zentrale Fragen: Wie konnte es so weit kommen? Und vor allem: Was können wir heute tun, damit sich so etwas niemals wiederholt?
Das Buch vereint Beiträge stadtbekannter Namen und prominenter Persönlichkeiten wie z.B. Sylvia Löhrmann (Staatsministerin a.D.), Herbert Reul (NRW-Innenminister) und Karin Prien (Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend). Besonders hervorzuheben sind jedoch die zahlreichen Artikel von Schülerinnen und Schülern, die den Ursprung des ganzen Projektes bilden und den entscheidenden Impuls zur Entstehung des Buches gaben – ein Anliegen, das Carl-Wilhelm Bienefeld persönlich sehr am Herzen liegt. „Schicksalspfad“ ist ein eindrucksvolles, historisch fundiertes Werk geworden, das einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung lokaler jüdischer Geschichte leistet und zugleich ein Appell gegen das Vergessen ist.