Kulturfreitag der vhs: Über Goya und seine Caprichos

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Mit einem Vortrag von Professor Dr. Helmut Jacobs bot der Kulturfreitag der VHS eine Einführung in Leben und Werk des genialen spanischen Malers. Der Romanistiker und international ausgewiesene Goya-Kenner und Autor vieler Bücher zum Werke Goyas zeigte dessen künstlerische Entwicklung vom angepassten Hofkünstler zum kritischen Aufklärer anhand ausgewählter Bilder. Geboren 1746 in Fuendetodos/Aragón als Sohn eines angesehenen Vergolders und dessen Frau, der verarmten Landadeligen Gracia Lucientes y Salvador, konnte ihm die väterliche Werkstatt kein zusätzliches Einkommen sichern, so dass er etwas anderes lernen musste. Francisco de Goya nahm daher Unterricht bei dem Barockmaler José Luzán in Zaragossa und wirkte später hauptsächlich in Madrid. Während seiner Madrider Phase heiratete er dort Josefa Bayeu, über die er Kontakt bekam zur königlichen Teppichmanufaktur Santa Bárbara und wurde später zum Akademieprofessor ernannt. Um 1770 hatte er die Bekanntschaft mit Luis de Borbón y Farnesio gemacht, dem Bruder des spanischen Königs Carlos III, worauf er ein paar Jahre später als Hofmaler bei König Carlos III tätig wurde und ab 1788 auch für Carlos IV. In dieser Zeit entstanden so berühmte Bilder wie die „Partida de caza“ (1775) und „El faune del Cabrito, eine Verbindung klassischer Elemente mit dem Volkstümlichen. Er schuf religiöse Motive wie z.B. „Cristo crucificado“ (1780), das heute im Prado in Madrid hängt. Er schuf Familienbilder für das Königshaus und Portraits für den Adel, wie z.B. das Bildnis der Marquesa de Pontejos (1786). Er malte politische Bilder und zeigte Anfang und Ende Napoleons und den Aufstand der Madrilenen gegen die französische Besatzung. Für Spekulationen, auch hervorgerufen durch Lion Feuchtwangers Romans aus dem Jahre 1951 mit dem Titel der Veranstaltung „Goya oder der arge Weg der Erkenntnis“, auf das Jacobs sich immer wieder bezog, sorgte seine vermeintliche Liebesaffäre mit der Herzogin von Alba, die er mehrfach portraitierte. Ende des 18 Jh. änderte Goya seinen künstlerisches Stil und zog sich aus dem höfischen Umfeld heraus. Er wandte sich einer neuen Technik zu und schuf Druckgrafiken, die er auf dem freien Markt verkaufte. Die unter Verwendung der Aquatintatechnik angefertigten Caprichos -ein um 1799 entstandener gesellschaftskritischer Zyklus- zeigen, wie scharfsinnig er sich mit den sozialen und politischen Umständen seiner Zeit beschäftigte und auch die Verfehlungen der damaligen Kirchenvertreter kritisierte. Es handelt sich um 80 Blätter aus einer Mischung von Aquatinta und traditioneller Radiertechnik, die als Schlüsselwerk Goyas gelten und ihn in ganz Europa bekannt machten. Sie zeigen Missstände in allen Klassen der spanischen Gesellschaft und greifen Themen auf wie Armut, Prostitution, Standesdünkel, Zwangsehen und die Brutalität des Machterhalts von Klerus und Adel sowie korrupte sozialpolitische Strukturen. Insbesondere werden auch tabuisierte Themen wie Kindesmissbrauch und Inquisition angeprangert. Als ehrliche Sittenbilder der zeitgenösssichen Gesellschaft und der damit verbundenen Brisanz musste Goya den Verkauf dieser Bildnisse jedoch bald einstellen. Es waren Blätter, die nicht klassizistisch waren sondern unorthodox und ehrlich, es ging um Wahrheit in der Kunst. Am berühmtesten ist das Capricho 43 mit dem Titel „El sueño de la razón produce monstruos (Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer), darin versteckt die Warnung: Wenn der Verstand schlummert, droht das Unheil. Es gehört zu den bedeutendsten Werken der Kunstgeschichte. Goya zieht schließlich als schon alter Mann 1824 nach Bordeaux, wo er auch vier Jahre später an einer schweren Krankheit stirbt.
Professor Jacobs vermittelte während seines 90-minütigen Referats nicht nur einen spannenden Einblick in Goyas Leben und Werk sondern zog sein Publikum auch als Akkordeonist in seinen Bann. Sein Vortrag wurde live mit auf dem Akkordeon gespielter spanischer Musik bereichert und wer Gefallen an seinem Akkordeonspiel fand konnte am Ende sogar eine seiner zahlreich produzierten CDs erwerben (bh).

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