Kampf um die digitale Unabhängigkeit
von Neuß-Grevenbroicher Zeitung
VORST (seeg) Mastodon statt „X“, Peertube statt Youtube: Wenn am Sonntag auf dem Tuppenhof in Vorst der vierte „Digital Independence Day“ (DI.Day) stattfindet, kämpfen die Organisatoren einmal mehr um die digitale Unabhängigkeit der Teilnehmer. Die Kaarster Linux User Group, der Initiativkreis Linux Rhein-Kreis Neuss, die Neusser „DI.Day“-Gruppe und das Kulturforum Kaarst zeigen dann Alternativen zu den gängigen Betriebssystemen und sozialen Netzwerken auf.
Während auf dem zweiten und dritten „DI.Day“ eher die Installation des Betriebssystems Linux im Vordergrund stand, geht es nun um das dezentrale, werbefreie Netzwerk von Social-Media-Plattformen „Fediverse“. Der Name ist eine Kombination aus den Begriffen Föderation und Universum.
Einer, der erst seit Kurzem „Fediverse“ nutzt, ist Hanjo Loeben von der Kaarster Linux-Gruppe. „Es ist etwas ganz anderes als das, was man aus anderen sozialen Netzwerken kennt“, sagt er. Im Tuppenhof sollen daher am Sonntag Fragen zu „Fediverse“ beantwortet werden: Was ist das genau? Wie kann man es nutzen? Wo liegen die Unterschiede zu den bekannten sozialen Netzwerken? Wie es genutzt werden kann, beschreibt Frank Ahlert vom Kulturforum Kaarst knapp: Das „Fediverse“ ist ein Netzwerk aus unabhängig betriebenen, dezentralen Plattformen, die über offene Standards kommunizieren. Nutzer können so auf verschiedenen Diensten wie Mastodon, Pixelfed (ähnlich wie Instagram) oder Peertube (ähnlich wie Youtube) miteinander interagieren.
Das sei vor allem für die Kulturschaffenden wichtig, denn so behalten sie ihre uneingeschränkten Rechte an ihren eigenen Werken und Inhalten. „Es steht kein großer Konzern dahinter, der alles überwacht und filtert“, sagt Ahlert. Auch gibt es keine Algorithmen, durch die den Nutzern Inhalte übermittelt werden, die sie nicht sehen wollen. Was sich etabliert habe, ist die „Fediverse plus 1“-Taktik. Das heißt: Die alten sozialen Netzwerke werden parallel zu „Fediverse“ genutzt. „Viele, die wechseln, empfinden das als Befreiung“, so Ahlert.
Allerdings ist die Linux-Gruppe auch vor Ort und bietet Usern an, das Betriebssystem auf ihren Endgeräten zu installieren. Die Vorteile von Linux beschreibt Loeben so: „Es wird nicht von einer Firma zentral entwickelt und verkauft, es ist offen“, sagt er. Zweitens: Es ist überall verfügbar, jeder mit einem Internetzugang kann es selbst installieren. Und drittens: Linux läuft auch auf alten Rechnern oder Laptops ohne Probleme und sei dadurch nachhaltiger als die gängigen Betriebssysteme.
Info
Wer Interesse am „DI.Day“ hat, wird gebeten, sich anzumelden unter https://pretix.eu/kulturforum-kaarst/DIDKaarst-26-6/.