Kultur macht Achenbach-Projekt zum Ausflugsziel

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Park der Sinne; Foto: Frank Ahlert
Park der Sinne; Foto: Frank Ahlert

Ein Gottesdienst gab Helge Achenbach Gelegenheit, über seine verbüßte Haftzeit zu sprechen. Im Mittelpunkt des Kulturwochenendes standen aber Atelierführungen und Berichte über neue Pläne.

VON ELISABETH KELDENICH
KAARST | Nachdenkliche Stimmung beim Gottesdienst der evangelischen Kirchengemeinde am Sonntag auf dem Kulturhof „Culture without borders“ an den Tönishöfen – der idyllische Ort unter Bäumen schien der richtige Platz für den mit Blumen geschmückten Altar zu sein. Der Gottesdienst war nur ein Programmpunkt des vierten Kulturwochenendes, zu dem Projektleiter Helge Achenbach und sein Verein geladen hatten.

Start war am Freitag mit einer „Warm-up“-Party und Verleihung des Carolus-Ehrenbechers. 350 Gäste fanden dazu den Weg ins Grüne – und das Wetter spielte auch mit. Den Samstag dagegen beherrschten sowohl Regen- als auch Besucherströme: Rund 500 Besucher folgten Achenbach bei seinen unterschiedlichen Führungen durch die diversen Künstlerateliers und über das weitläufige Gelände: „Wir sind oft nass geworden“, erzählt Helge Achenbach mit Schmunzeln, denn der Stimmung und dem Interesse tat das offenbar keinen Abbruch.

Aktuell leben sieben Kunstschaffende aus Europa, Afrika und der Ukraine auf dem von Achenbach 2018 gegründeten Hof. Der Name „Culture without borders“ spiegelt die dahinter steckende Philosophie wider. In einer Sonderausstellung präsentierte Gastkünstler Carsten Fock seinen Zyklus „Heaven above“ in der neu gestalteten Hofgalerie. Aus der Umgebung des Künstlerhofs soll innerhalb von 15 Jahren ein einzigartiger „Park der Sinne“ mit hoher Aufenthaltsqualität geschaffen werden, ganz ähnlich der Insel Hombroich und Schloss Dyck. Die Arbeiten dafür laufen gut, berichtete Initiator Achenbach, derzeit wird auf die Baugenehmigung für eine Pflanzenspirale gewartet. Da sich der Verein durch Spenden finanziert, braucht es eben Zeit, bis alles fertig ist, denn die Qualität stehe im Vordergrund, sagt er.

Der Samstagabend stand ganz im Zeichen eines Konzerts von Markus Volquarks alias DJ Wibe, zu dem nochmal 250 Gäste zusätzlich anreisten, die sich dann bis 23.30 Uhr vergnügten.

Der Gottesdienst am Sonntag ging auf eine Idee von Wolfgang Weber zurück, dem Kantor der evangelischen Kirchengemeinde: An besondere Orte zu gehen und zugleich den Familiengottesdienst dort stattfinden zu lassen, passe in das aktuelle Konzept der evangelischen Gemeinde, neue Gottesdienstformen auszuprobieren, sagt er. Pfarrer Martin Pilz entwickelte die inhaltliche Gestaltung unter dem Motto „Grenzen überwinden“: An sechs künstlerischen Stationen gab es Bibelverse als Impulse, umrahmt von einem Beginn und Abschluss.

Vor dem Schlusssegen berichtete der wegen Betrugs verurteilte frühere Kunstberater Helge Achenbach über seine Erfahrungen als evangelischer Christ mit dem Umgang seiner Taten: Christen müssten Rücksicht auf andere nehmen und einander die Hand reichen, sagte er. Jeder habe eine zweite Chance verdient. Und: „Geben ist seliger denn nehmen“, sagt Achenbach. Besonders der Glaube habe ihm im Gefängnis Halt gegeben.

Pfarrer Martin Pilz freute sich sehr über rund 100 Besucher und hegte die Hoffnung, dass Impulse des Gottesdienstes, weiterführende Gespräche, Begegnungen und positive Sinneseindrücke hoffnungsfrohe Punkte im Alltag setzen werden.

Helge Achenbach zeigte sich mit dem Verlauf des Kulturwochenendes sehr zufrieden. Der Kulturhof sei in der Region angekommen und die von ihm angestrebte Mischung der Kulturen funktioniere nicht nur durch die Künstler, sondern auch durch Verbindung mit Veranstaltungen wie der Ehrenbecher-Verleihung oder dem Gottesdienst. Auffällig seien auch die vielen Radfahrer: Die Menschen nehmen den Kulturhof mehr und mehr als nahes Ausflugsziel wahr.

Gut gefallen hatte es auch den befreundeten Familien Matschoss aus Meerbusch und Kutsche aus Kaarst: Sie fanden das Gelände des Kulturhofs sehr gut. Der Familiengottesdienst fand großen Anklang: eine gut umgesetzte Idee. Beim Kulturbrunch wurde anschließend gemeinsam geschlemmt.

zum NGZ-Artikel

INFO

Im September wieder Kulturwochenende
Die Reihe „Culture without borders“ ist eine Veranstaltungsreihe an den Tönishöfen in Kaarst.
Der Kontakt Helge Achenbach beantwortet Fragen unter 0170 2139544.

Die Fortsetzung
Das nächste Kulturwochenende mit Programm ist vom 15. bis 17. September geplant. Eintritt frei, Ateliers geöffnet, Speisen und Getränke vorhanden.

Park der Sinne

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