Heinrich Heine – Träumer und Rebell

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Gisela Saßmannshausen referierte über Heinrich Heine und die Frauen; Foto: Klaus Stevens
Gisela Saßmannshausen referierte über Heinrich Heine und die Frauen; Foto: Klaus Stevens

„Dienstags im Tuppenhof“ ist ein fester Bestandteil im Veranstaltungskalender der musealen Begegnungsstätte in Vorst und sehr oft geht es dann um Literatur. So wie am 8. August, als Gisela Saßmannshausen in den gut besetzten „Kuhstall“ kam, in dem sich eine stattliche Fangemeinde erwartungsvoll auf ihren Vortrag freute. Die Referentin war von 1998 bis 2015 Schulleiterin am Georg-Büchner-Gymnasium in Vorst und scheint immer noch sehr gut vernetzt zu sein. Thematisch ging es um keinen geringeren als Heinrich Heine, unseren deutschen Dichter aus dem 19 Jahrhundert, gleichzeitig Träumer und Rebell.

Gisela Saßmannshausen fokussierte sich in ihrem Vortrag „Mit Brünetten hat´s ein End“ auf weniger bekannte Facetten des berühmten Dichters, nämlich auf seine Beziehung zu Frauen. Seine Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht hat er stets dichterisch verarbeitet und einiges davon ist enthalten im „Buch der Lieder“, eine Gedichtsammlung, deren Entstehungszeit zwischen 1817 und 1826 liegt, erstmals erschienen 1827 bei Hoffmann & Campe. Liebe ging bei ihm einher mit Leiden, besonders, wenn es um die erste große Liebe seines Lebens ging. Um seine Cousine Amalie Heine und deren unerwiderte Zuneigung, die ihn zu dem Gedicht „Ein Jüngling liebt ein Mädchen“ inspirierte.

Seinen Frust fasst er im letzten Vers zusammen:

„Es ist eine alte Geschichte,
Doch bleibt sie immer neu;
Und wem sie just passieret,
Dem bricht das Herz entzwei“.

Als Student hatte Heine neben der „aussichtslosen Liebe“ auch Probleme mit der „Qual der Liebe“ und der „Wahl der Liebe“. Soll man sich mit einer klugen oder einer weniger klugen Frau zusammen tun? Oder auch mit paradoxer Liebe. Heines psychologisches System basierte auf der Prämisse „Wenn man von mir geliebt werden will, muss man mich wie einen Schuft behandeln“. Seine poetischen Texte brachten ihm rund 150 Jahre später die uneingeschränkte Achtung des Literaturkritikers Marcel Reich-Ranicki ein, der konstatierte: „Was wir ihm verdanken ist nicht unbedingt besser, aber witziger und geistreicher. Heine steht uns näher als alle anderen Dichter des 19. Jahrhunderts“.
Eine weitere wichtige Frau in Heines Leben war seine Mutter Betty, geborene Peira van Geldern, die aus einer gutbürgerlichen jüdischen Arztfamilie stammte und eine für Frauen zur damaligen Zeit ungewöhnlich gute Schulbildung genossen und 1797 seinen Vater Samson geheiratet hatte. Heinrich Heine, im Dezember 1797 geboren, war Zeit seines Lebens durch seine jüdische Herkunft benachteiligt und erfuhr viele Diskriminierungen. Um seine Chancen zu verbessern, konvertierte er 1823 sogar vom Judentum zum Christentum, was er später bereute, da er sich als „einen Getauften sah, der im Herzen aber immer jüdisch blieb“. Seiner Mutter Betty fühlte er sich stets mehr verbunden als seinem Vater, da er sie im Gegenteil zu seinem Vater als eine kluge und vernunftbetonte Person wahrnahm und mit ihr einen regen Briefaustausch pflegte, denn nach seiner Übersiedlung nach Paris im Jahr 1831 hat er sie nur noch zweimal im Leben sehen können.
Heine hatte ab 1819 ein Studium der Rechtswissenschaften begonnen, das er trotz aller Widrigkeiten auch erfolgreich abschloss. 1825 wurde er sogar zum Doktor der Rechte promoviert. Trotz seiner Konvertierung zum christlichen Glauben 1823 wurde ihm nie die schon sicher geglaubte Professur verliehen, wofür Heine die judenfeindliche Gesinnung des damaligen König Ludwig von Bayern verantwortlich machte. Einmal Jude, immer Jude. Seine Auswanderung nach Paris soll dann auch weniger politisch als religiös motiviert gewesen sein. In Deutschland war er auch als „ehemaliger“ Jude weiterhin ausgegrenzt und in Frankreich galt er als geschätzter deutscher Dichter immerhin nur als Ausländer.
In französischen Exil lernte er 1833 Augustine Crescence Mirat kennen, die er nach 7-jährigem Zusammenleben auch heiratete. Bevor sie sich in Paris trafen, führte Augustine als ehemalige Schuhverkäuferin das Leben einer Grisette. Heine nannte sie Mathilde und sagte „Ich habe dir einen Namen gegeben, du bist mein“ und betonte so seinen Besitzanspruch. Mathilde interessierte sich nicht für seine literarische Existenz, er liebte sie aber trotzdem und fühlte sich auch geliebt „denn sie liebt mich nicht als Dichter sondern als Menschen“. Heine genoss sein Leben in Paris und den Austausch mit anderen Kulturschaffenden. Er versuchte, seiner einfachen, vom Land kommenden Frau, etwas Bildung zu vermitteln, was nicht allzu sehr fruchtete. Ihr gemeinsames Leben war turbulent und geprägt von Ehekrächen: „Sie ist wie ein Hausvesuv, mit Eruptionen ist jederzeit zu rechnen“. Neben boshaften Versen über seine Frau finden sich jedoch auch liebevolle und er nannte sie sowohl das „verfluchte geliebte Weib“ als auch sein „süßes dickes Kind“. Eine Liebe voller Ambivalenzen.

So widmet er ihr vor seinem nahenden Tod die Verse:

„Sie war mir Weib und Kind zugleich,
Und geh ich in das Schattenreich,
wird Witwe sie und Waise sein!
Ich lass in dieser Welt allein
Das Weib, das Kind, das trauend meinem Muhte,
Sorglos und treu an meinem Herzen ruhte…
Beschützt, wenn ich im öden Grab,
Das Weib, das ich geliebet hab“.

Mathilde duldete sogar die Besuche seiner letzten Liebe -Elise Krinitz, seiner Mouche- und ging ihr schweigend aus dem Wege. Heine litt seit ca. 1848 an einer fortschreitenden Krankheit und traf La Mouche 1855. Er nannte die 28 Jahre jüngere Frau „Die letzte Blume meines larmoyanten Lebens“ und erlebte mit ihr die letzte Liebe seines irdischen Daseins.

1856 – kurz vor seinem Tod – widmet er ihr ein Gedicht mit dem Titel „Lotusblume“:

Wahrhaftig, wir beide bilden ein kurioses Paar,
Die Liebste ist schwach auf den Beinen,
Der Liebhaber lahmt sogar.
Sie ist ein leidendes Kätzchen
Und er ist krank wie ein Hund,
Ich glaube im Kopfe sind beide nicht sonderlich gesund.
Sie sei seine Lotusblume bildet die Liebste sich ein;
Doch er, der blasse Geselle, vermeint der Mond zu sein.
Die Lotusblume erschließet ihr Kehlchen dem Mondenlicht.
Doch statt des befruchtenden Lebens empfängt sie nur ein Gedicht.

Im Gegensatz zu seinen oft schmachtenden Lieben gibt es natürlich auch die real-erotischen mit Frauen aus der Unterschicht. Gereizt aber hat ihn die Lust am Schmerz. Und die unglücklichen Lieben und sein ausgeprägtes Selbstmitleid haben ihn zu allerhöchster Kreativität inspiriert und er war stets bedacht, auch seine Wehleiden in die Verse mit einzubringen (bh).-

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