Berauschendes Nachtkonzert in der Lukaskirche

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Mit Verspätung hat am Freitag das Kammerkonzert in der Lukaskirche begonnen. Doch das Warten hat sich gelohnt, denn das Konzert war berauschend.

VON HANSGEORG MARZINKOWSKI
HOLZBÜTTGEN | Nachtkonzerte haben in Kaarst Tradition. Demnächst wird die Musikschule Mark Koll sogar Graf Dracula um Mitternacht im Tuppenhof geistern lassen. Zum ersten Nach-Corona-Nachtkonzert lud jetzt das Vocalensemble Kaarst ein. Weil Burkhard Zander vom Kölner Atelier für Cembalo und Clavier nach dem Einspielen sein großartiges Cembalo nachstimmen musste, und weil der Leiter Wolfgang Weber lange über „Liebe, Lust und Leiden“ – so das Motto des Konzertes – parlierte, begann das Konzert erst deutlich nach 21 Uhr in der Lukaskirche in Holzbüttgen.

Die neun Damen des Vocalensembles der evangelischen Kirchengemeinde in Kaarst, je drei im ersten und zweiten Sopran und drei im Alt, sangen berauschend und immer klar in den Höhen italienische und englische Madrigale aus der Renaissance von Thomas Morley, Giovanni Gastoli und Carlo Gesualdo. Besonders bezückend waren die sechs Canzonette des Venezianers Claudio Monteverdi, der die Wende in der Musik von der Renaissance zum Barock zelebrierte. Selbst das fröhliche Madrigal „Tanzen und Springen“ von Hans Leo Hassler, 1601 für fünfstimmigen A-cappella-Gesang geschrieben, klang in der dreistimmigen Version sehr attraktiv. Einziges Manko des Vocalensembles unter der konzentrierten Leitung von Kantor Wolfgang Weber: Sie sangen oft zu statisch, „variatio delectat“ (Abwechslung macht Spaß) wäre gelegentlich angesagt gewesen.

Dabei war das Konzert höchst unterhaltsam. Dafür sorgten ein Streichquintett der Kaarster Sommerserenaden unter seinem Konzertmeister Andreas Illgner (Violine) und die viel beschäftigte Nataliia Vetrova (Cembalo), die makellos bei einigen Gesängen begleiteten oder sie durch gekonnte Vorspiele einleiteten. Überhöht wurde das Programm durch Susa Weber: Die Regisseurin am Rheinischen Landestheater rezitierte perfekt kurze Liebeslyrik. Sie glich sich dem „antiken“ Programm des Vocalensembles an, las etwa Sonette von William Shakespeare: „Wenn die Musik die Liebe nährt...“ Besonders ergreifend waren ihre Beiträge moderner Lyrik, etwa die der Wiener Schriftstellerin Friederike Mayröcker, die 2021 im Alter von 96 Jahren in ihrer Heimatstadt verstarb: „In meinen Träumen bin ich jung, in meinen Träumen bin ich high.“

 

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