Zeitzeugen der Kunst bis heute – Ein Rückblick auf die Galerie Splettstößer

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Frau Splettstößer bei der Einführungsrede auf einer ihrer letzten Ausstellungen mit dem Titel „erdverbunden“ im April 2023. Es wurden Malereien von Ursula Ringes-Schages und Keramikobjekte von Renata Kolwicz gezeigt; Foto: Birgit Hannemann
Frau Splettstößer bei der Einführungsrede auf einer ihrer letzten Ausstellungen mit dem Titel „erdverbunden“ im April 2023. Es wurden Malereien von Ursula Ringes-Schages und Keramikobjekte von Renata Kolwicz gezeigt; Foto: Birgit Hannemann

Ein halbes Jahr ist es erst her. Seit Ende November 2023 hat die Galerie Splettstößer „dauerhaft geschlossen“- so steht es auf der Website. Ich habe Brigitte Splettstößer getroffen. Aus der vereinbarten Stunde wurden schnell zwei, wie im Flug verging das Gespräch. Über mutige Schritte, einen besonderen Ort mitten in Kaarst, über die Leidenschaft zur Kunst und wertvolle Freundschaften mit vielen Künstlerinnen und Künstlern.

Im Rückblick ist sich Brigitte Splettstößer gar nicht mehr sicher, ob sie sich heute wieder genauso entscheiden würde. Im Spätsommer fasste sie aus unterschiedlichen persönlichen Gründen den Entschluss, ihre Galerietätigkeit zu beenden. Am 30. September 2023 - ein Tag nach Ende ihrer letzten Ausstellung – hat sie ihren Schritt öffentlich gemacht. Mit einem Schreiben an ihre Künstler, Kunden, Freunde, Weggefährten und Partner. Um dann klar Schiff zu machen. Sie hat das Archiv aufgelöst, Arbeiten an die Künstlerinnen und Künstler zurückgegeben und die Räume im Alten Rathaus an der Rathausstraße an ihren Nachmieter übergeben.

Für uns gibt es einen Trost, einen kleinen Nachlass: Ihre Website (und auch ihre Newsletter). Sie ist ein Füllhorn an Kunst-Impressionen. Die von ihr ausgestellten Künstler werden kurz portraitiert, auch sind alle Ausstellungen von 2006 bis Ende 2023 hier zu finden - samt der Einführungsreden. Die Reden waren stets besonders in der Galerie Splettstößer. Sie sind (kunsthistorische) Zeitzeugen der Kunst und Künstler, um die es jeweils ging. So auch die Rede, die Thomas Brandt 2016 anlässlich des 10-jährigen Jubiläums der Galerie gehalten hat. Dort gibt es ausführliche Infos zu den ersten Jahren, zur Entstehung der Galerie.

17 Jahre Galerie-Geschichte (plus mehr als 10 Jahre „Erprobungszeit“) liegen hinter Brigitte Splettstößer, als sie sich letztes Jahr verabschiedet. Kein Jahr möchte sie missen. Wenn sie über ihre Anfänge, die erste Ausstellung im alten Ikea, ihr Galerie-Leben berichtet, dann fühlt es sich wie heute an. Vor mir sitzt dann die Brigitte Splettstößer, die sich 2006 gemeinsam mit ihrem Mann Wolfgang dafür entscheidet, eine Galerie zu eröffnen. Ein bisschen spüre ich heute noch die Begeisterung, den Enthusiasmus, aber auch die Aufregung. Von damals.

1995 begann die promovierte Physikerin und fünffache Mutter ihre Tätigkeit im Bereich der Ausstellungsorganisation und Kunstvermittlung. Auslöser für die neue berufliche Ausrichtung war der russische Künstler Oleg Tsvetkov. Sein Sohn Andre war Austauschschüler bei den Splettstößers. Zwei Dinge brachte er damals aus Pskow mit: ein Kunstwerk seines Vaters und dessen Wunsch, in Deutschland ausstellen zu dürfen. Sie haben es gemacht, die Splettstößers: 1995 fand im alten Ikea-Haus ihre erste Ausstellung statt – mit den Bildern von Oleg Tsvetkov. Dank ihres großen Netzwerks, dank ihrer Begeisterung und dank ihres Organisationstalentes. Mit großem Erfolg, viele Besucher kamen und waren begeistert.

Weiter ging es. Ab 1996 in den Räumen des Alten Rathauses, mietfrei und erst einmal noch eher unsortiert. Viele Ausstellungen fanden statt, aber die Räume hatten noch wenig mit einer Galerie gemein. Ab 2000 wurde es professioneller, dort oben im Alten Rathaus gegenüber St. Martin. Pfarrer Dr. Kurt-Peter Gertz hat dabei eine wichtige Rolle gespielt. Der Kunsthistoriker war kongenialer Partner des Ehepaars Splettstösser. Mit ihm und vielen Weggefährten entwickelten sie ihre Leidenschaft weiter. Und als dann das Angebot der Gemeinde vorlag, die Räume zu mieten, griffen sie zu. „Wenn nicht jetzt, wann dann eine Galerie eröffnen? Das war uns schnell klar.“ Aus den Räumen wurde eine Kunst-Galerie, mit neuen Fenstern, guter Beleuchtung, einem Archiv. Die Galerie Splettstößer war geboren.

Seit 2006 fanden dort regelmäßig Ausstellungen statt. Von namhaften Künstlerinnen und Künstlern, aus aller Welt, aus Deutschland, aus Kaarst. Künstler der ersten Stunden waren Ada Blochwitz, Irmel Droese, Felix Droese, Jon Thor Gíslason, Martel Wiegand und Gottfried Wiegand – bis zum Schluss haben viele von ihnen bei Brigitte Splettstößer ausgestellt. Und sind bis heute eng mit ihr verbunden, ja befreundet, sagt Splettstößer mit großer Dankbarkeit und Freude. Nach dem (viel zu frühen) Tod von Wolfgang Splettstößer 2013 hat sie allein weitergemacht. Sie hat sich ausgesucht, wer bei ihr ausstellen kann. Kunst, die sie mochte, Kunst, die sie gut fand. Der Erfolg hat ihr recht gegeben. Sie wird uns fehlen in Kaarst, ihre Galerie. Brigitte Splettstößer aber ist da. Und wer weiß, vielleicht meldet sie sich noch einmal in der Kaarster Kunstszene? Wer weiß.

Kontakt:

Galerie Splettstößer
www.galerie-splettstoesser.de
Kontakt per Mail an art@galerie-splettstoesser.de
oder telefonisch unter 0162 34 22 016

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