Rappelvoll zur Galerie-Eröffnung mit Vernissage
von Birgit Hannemann
„Der ROTE Faden“ – das ist der Titel der aktuellen Ausstellung, die zur Zeit in der just eröffneten, größeren Galerie von Rena und Monica Wertheim am Rathausplatz 4 in Büttgen läuft. Am 2. August wurden Tür und Tor geöffnet zur neuen „Wertheim Arts Galerie“, die nun Gelegenheit bietet, wesentlich mehr Kunstwerke als vorher zu zeigen. Und somit können gleich mehr als 40 Arbeiten der Künstlerin Efthimia Trentsiou präsentiert werden, die mit den Wertheims in die neue Ära startet.
Der sogenannte „rote Faden“ ist nicht nur eine Redensart, ein Leitmotiv, eine zentrale Idee in einem Text oder in einem Konzept. Bei Efthimia Trentsiou bezieht er sich auf ihr ganzes Leben und spiegelt symbolisch auch den Moment wider, in dem sie nach einer längeren Pause – verursacht durch die Erziehungszeit ihrer mittlerweile drei erwachsenen Kinder - den „roten Faden“ wiedergefunden hat und damit ihr künstlerisches Schaffen wieder aufgenommen hat. Der „rote Faden“ dient ihrer inneren Struktur, ihre Gedanken, Erinnerungen und Gefühle in Kreativität umzusetzen. Der „rote Faden“ bleibt immer sichtbar, ständig kommen neue Schlaufen, Verknüpfungen und Verflechtungen hinzu.
Die Künstlerin wurde 1966 in einem kleinen Dorf in der Nähe von Thessaloniki geboren. Dort, wo sich Kinder frei und kreativ im Einklang mit der Natur entfalten konnten. Als sie drei Jahre alt war wanderten ihren Eltern aufgrund der damaligen politischen Ereignisse von Griechenland nach Deutschland aus und sie wuchs liebevoll behütet bei ihren Großeltern auf. Ihr Opa war ein Freigeist und sie erinnert sich noch heute voller Liebe und Stolz daran, dass er sie sogar mit ins Kafenion nahm. In einen Ort, der eigentlich nur der männlichen Gesellschaft vorbehalten war. Als ihre Eltern sie 1974 nach Deutschland nachholten – deren Wohnsitz war im Düsseldorfer Stadtteil Oberbilk – war das für sie wie ein Kulturschock und der lärmende Verkehr, die Autos, die Busse und die Straßenbahnen lösten große Ängste in ihr aus. Es brauchte einige Zeit sich einzugewöhnen, was ihr letztendlich erst nach einem Umzug von Oberbilk in das etwas ruhigere Reisholz gelang. Heute sagt sie, dass ihr all diese Erfahrungen geholfen haben, sich besonders gut in andere Menschen hineinversetzen zu können. Familie ist ihr sehr wichtig, die ist mittlerweile in Griechenland, Deutschland und Australien verstreut, aber alle versuchen, immer wieder irgendwo zusammenzutreffen.
In der Ausstellung präsentiert sie Malereien und Skulpturen der letzten 10 Jahre. Ihre filigranen Gebilde aus Ytong, Draht und feinen Stoffen oder Holzelementen verzaubern durch ihre Leichtigkeit und Transparenz. Die Draht-Figuren, teils auch auf Leinwand, zeigen Menschen, die im Licht und im Schatten zerbrechlich wirken, gerade so wie das Leben verläuft. Besonders beeindruckend auch die Skulptur mit dem roten Reißverschluss. Die Zacken symbolisieren dabei z.B. das Entstehen einer Beziehung, die mit jedem Zacken mehr zusammen wächst, aus einer Begegnung wird Freundschaft, aus Freundschaft wird Liebe.
Ihre Bilder sind in Acryl, Öl, Pastellkreide oder in Mischtechnik auf Leinwand und hinter Glas entstanden. Einfache, poetisch anmutende Stillleben finden sich ebenso in ihrem Repertoire wie feine Allegorien oder farbenfrohe Bildkompositionen. Einige entstammen auch ihren Träumen, so wie z.B. der Vogel mit den lackierten Nägeln. Bei den beiden Frauenbildern, die direkt am Eingang hängen und von einem türkis-weißen Umfeld umgeben sind, sieht man jeweils eine kleine Leiter aus den Augen klettern. Da wird das „Innerste nach außen gekehrt“ und das Bewusstsein erweitert. Ein Perspektivwechsel, einfach die Welt mal mit anderen Augen zu sehen. Das Frauenbild, aus dem Fische aus dem Kopf erwachsen, nennt sie „In uns um uns“ und soll heißen, das alles, was um uns ist auch in uns existiert. Alles hängt miteinander zusammen, wir sind nicht isoliert, wir sind ein Teil der Natur. Das Frauenbild, das daneben hängt, bei dem die Augen geschlossen sind und die Fische um den Kopf herum schwimmen, steht für die Unvollkommenheit und das Unvermögen der Menschen, Notwendigkeiten zu sehen und nicht nachhaltig in die Zukunft zu schauen.
Mit dem eindrucksvollen großen Holzbild (1,70 x 60) im hinteren Teil der Galerie stellt sie die Facetten des Lebens dar und die Vielfalt der Menschen, sie sind bunt. Wenn die Masse sich bewegt, fließt alles zusammen, steigt auf, wird farbiger, ergibt neue Farben und damit andere Kulturen. Die Künstlerin ist sich durchaus bewusst, dass das wohl eine Utopie ist, aber es entspricht ihrem Wunsch. Sie sagt „das Streben nach Erkenntnis und Harmonie sollte zu unserer Verpflichtung werden, um das gemeinsame Wohl zu fördern und eine nachhaltige Zukunft zu gestalten“. Dieses Bild passt eigentlich auch besonders gut zu Kaarst, denn Kaarst ist auch bunt und steht für Demokratie, Respekt und Vielfalt. Die begleitenden Gedichte zu den Skulpturen wurden von ihrer Tochter Eleni Topali verfasst und beschreiben eindrucksvoll und gefühlvoll die Kunstwerke ihrer Mutter (siehe „Kettenreaktion“).
Es gibt jede Menge zu entdecken in den Werken von Efthimia Trentsio, die maßgeblich durch ihre Gefühle, ihre inneren Bilder und Stimmungen inspiriert sind. Gelegenheit dazu gibt es noch bis zum 16. August in der Wertheim Arts Galerie jeweils mittwochs von 10:30 bis 12 Uhr und freitags und samstags von 16 bis 18 Uhr (bh).-