Preisverleihung KAARSTER STERN 2025 an Sven Garrecht
von Birgit Hannemann
„Was hättest Du gemacht, wenn Du nicht Künstler geworden wärst“? – So lautete eine der zahlreichen Fragen, die die Pennäler an Sven Garrecht richteten. Vor der Veranstaltung fand ein Treffen von insgesamt 47 Schülerinnen und Schülern der Emmy-Noether-Gesamtschule und des Georg-Büchner-Gymnasiums mit Sven Garrecht im Rahmen des F3k-Projekts „Schüler treffen Künstler“ statt. Damit verfolgt der Verein eines seiner wichtigsten Ziele: Veranstaltungen des Kaarster Kabarett- und Kleinkunstprogramms sollen einen festen Platz im Schulleben finden und für die jungen Leute einen Weg zu erlebter Kultur darstellen. Dieses Projekt unterstützen freundlicherweise die Sparkasse Neuss und die Kaarster Unternehmen Optik Schwartz sowie PS-Event/twenty seven Eventlocation. Die Schülerinnen und Schüler hatten eine lange Frageliste vorbereitet und die in der Einleitung war eine davon. Nach einer kurzen Überlegung war die Antwort „er wollte schon immer Künstler werden, er habe keinen Plan B gehabt“.
Und – das ist auch gut so, denn Sven Garrecht ist ein grandioser Liedermacher, Reimer und Geschichtenerzähler. Ursprünglich studierte er Musik mit Saxophon als Hauptfach. Heute singt er mit markanter Stimme seine Lieder am Klavier. Diese sind irgendwo angesiedelt zwischen Chanson und Pop, Jazz und Klavierkabarett, seine Texte reichen von Alltagspoesie bis zu bissiger Gesellschaftssatire. Im Rahmen seines Soloprogramms „Wenn nicht jetzt, wo sonst?“ führte er das Publikum auf eine Reise durch die kleinen und großen Absurditäten des Lebens – mal tiefsinnig, mal frech, aber immer authentisch. Langeweile hatte bei diesem Programm keine Chance. Eine weitere Frage der Schüler war, was man denn in dem Job so verdiene? Er rückte zwar nicht mit einer konkreten Aussage heraus, gab aber so viel preis, dass der Verdienst nicht regelmäßig sei. Aber – so der Künstler – so was wie der KAARSTER STERN sei etwas, was ihn dann immer wieder motiviere.
Die Veranstaltung fand in der twenty seven Eventlocation in Holzbüttgen statt. Zu Beginn erfolgte die Preisverleihung und der Vorsitzende des Fördervereins, Jochen Marzinkowski, bat den Bürgermeister, Christian Horn-Heinemann, den gerade gewählten neuen Vorsitzenden des Kulturausschusses, Ulrich Orlinski, sowie Martin Fallaschek von der Sparkasse Neuss und das für das Kabarett- und Kleinkunstprogramm verantwortliche Team vom städtischen Kulturbüro, Elmar Spinnen und Angie Falke, auf die Bühne. Es folgte die Übergabe der Urkunde und Medaille an den Preisträger. Am Rand der Bühne schaute die Bronzefigur des Künstlers Christoph Pöggeler ein wenig nachdenklich aber dennoch zufrieden zu. Sie stellt eine Kunstfigur dar, die mit den Händen nach dem KAARSTER STERN greift, auf dem sie steht, gewissermaßen symbolisch für den Kleinkunstpreis vom Förderverein F3k e.V., der 2017 eingeführt wurde und sich auf die Förderung des künstlerischen Nachwuchses im Kleinkunstbereich richtet. Newcomer erhalten im Jahr zuvor eine große Bühne und dürfen ihr Talent mit einem Kurzauftritt unter Beweis stellen. Der Preis ist mit 1.000 € dotiert. Nach den Publikumsvotings erhält die Gewinnerin bzw. der Gewinner eine Medaille und wird zusätzlich mit einem Solo-Abend im nächsten Programmjahr belohnt. Seit der Einführung unterstützt die Sparkasse Neuss großzügig den Förderverein F3k e.V. für den Kleinkunstpreis.
In diesem Jahr war es also Sven Garrecht, der Mann aus Seligenstadt in Hessen, an den der KAARSTER STERN ging und der anschließend sein grandioses Solo startete und zeigte, dass er als berechtigter Sieger aus dem Wettbewerb hervorgegangen war. Eigens für diesen Abend hatte er ein Lied über Kaarst geschrieben: „Weil Du nicht mit Reizen sparst, stehe ich auf Dich mein Kaarst. Und wenn Du den Besuch bereust, war´s nicht in Kaarst sondern in Neuss“. Nun, der kleine Seitenhieb auf unsere Nachbarstadt sei mit einem Augenzwinkern auf den Reim erlaubt. Überhaupt, seine Geschichten sind gut ausgesucht und gespickt durch kluge Beobachtungen, mit einer ordentlichen Portion Selbstironie und total überraschenden Pointen. Auch dieser chronischen Unzufriedenheit „früher war alles besser“ hatte er etwas entgegenzusetzen, denn wenn das stimme, so der Künstler, wird dieser Abend von Minute zu Minute immer besser und wird letztendlich zum schönsten Eures restlichen Lebens“. So einfach wie folgerichtig. Das Publikum war begeistert und belohnte Sven Garrecht mit lang anhaltendem Applaus (bh).-