„Nepal am Fuße des schmelzenden Himmels“ – Das war ein eindringliches Klimakonzert
von Birgit Hannemann
Zum 25-jährigen Jubiläum der Nepal-Hilfe Kaarst fand heute in der Auferstehungskirche ein ganz besonderes Konzert statt. Unter dem Titel „Nepal am Fuße des schmelzenden Himmels“ präsentierte sich eine Konzertlesung, die Kunst und Klimabotschaft auf eindrucksvolle Weise miteinander verband. Unter der musikalischen Leitung von Wolfgang Weber und den weiteren Mitwirkenden – Angela Froemer, Nathalia Vetrova, Susa Weber und Verena Kleist – entstand ein Abend, der das Publikum tief berührte. Für die technische Umsetzung sorgte Jan Henkel. Eröffnet wurde der Abend von Reiner Strauss, dem Gründer der Nepal-Hilfe, der das Land in all den Jahren bereits 53 mal besucht hat. Im Mittelpunkt stand also Nepal, ein Land, das in besonderer Weise von der Klimakrise betroffen ist. Innerhalb geringer Entfernungen wechseln dort die klimatischen Zonen, vom subtropischen Tiefland im Terai bis zu den eisigen Höhen des Himalaya. Es ist ein Land der Extreme und ein Warnsignal an die Welt, denn Nepal kann als so was wie eine Miniatur-Erde angesehen werden – ein sensibles Barometer des globalen Wandels. Was sich hier abspielt, ist ein Blick in die Zukunft unseres gesamten Planeten.
Während Nepal selbst nur minimal zur globalen Erwärmung beiträgt, gehört es zu den Ländern, die am stärksten unter ihren Folgen leiden. Die Gletscher schmelzen rapide. Wenn sie verschwunden sind, werden nicht nur Landschaften mitgerissen, auch Lebensgrundlagen sind unwiederbringlich zerstört. Deshalb, so die Botschaft des Abends, braucht Nepal eine Stimme – und dieses Konzert wollte sie sein, in dem es Dialoge, Texte und Musik gegen das Vergessen auf die Bühne brachte. Susa Weber und Verena Kleist stellten die unterschiedliche Wahrnehmung von Lebensstil und Klimarealitäten in Europa und Nepal in einem bewegenden Dialog dar. Textlich setzten sie auf klare, eindringliche Bilder, musikalisch begleitet und ergänzt von Nathalia Vetrova, Angela Froemer und Wolfgang Weber. Besonders eindrucksvoll waren zwei fiktive Beiträge. Zum einen ein Bericht über ein „Gletscherbegräbnis“, zum anderen ein Auszug aus einem imaginären Parlamentsprotokoll. Susa Weber rezitierte dabei einen zentralen Satz: „Wir beerdigen nicht das Eis, wir beerdigen die Gewissheit, dass die Berge ewig sind – aber alles ist vergänglich.“ Kantor Wolfgang Weber stellte die Musik zu den Texten zusammen und komponierte eigens für diesen Anlass das „Totenlied eines Gletschers“ – ein Werk, das den Verlust hörbar machte. Ein weiterer Programmpunkt war ein „Reiseangebot“ ins Himalaya-Gebirge mit einem Blick in das Jahr 2050. Darin wurde eine Zukunft beschrieben, in der der Permafrost längst verschwunden ist und vormals unwirtliche Regionen zu touristischen Zielen geworden sind. Ein Himalaya mit Wohlfühltemperatur, die Alpen der Zukunft sozusagen, von jedem erreichbar, ein Szenario, das erschreckt statt verlockt. Die Texte, geschrieben von Verena Kleist, erinnerten daran, wie leicht wir in Europa vergessen, dass unser Lebensstil unmittelbare Folgen für Regionen wie Nepal hat. Mit der Mahnung: 2050 wird die Welt nicht mehr dieselbe sein, wenn wir so weitermachen. Dann bleibt nur noch die Erinnerung an die Gletscher und die Erinnerungen der Sherpas klingen wie Märchengeschichten.
Das Konzert war nicht nur künstlerisch anspruchsvoll, sondern auch emotional intensiv. Es brachte den Zuhörenden Nepal näher – seine Kultur, seine Schönheit, aber auch seine Verletzlichkeit. So wurde das Konzert zum Jubiläum der Nepal-Hilfe zu einem aufwühlenden kulturellen Erlebnis, es war ein eindringlicher Appell, das Land am Fuße des schmelzenden Himmels wahrzunehmen und zu schützen (bh).-