Nachhaltige Kooperation : Mit Smoking und Abendkleid auf den Bioacker
von WDR - Westdeutscher Rundfunk
Die Düsseldorfer Symphoniker bekommen einen Konzertwald. Ein Biobauer aus Kaarst hat dafür Platz für 5.000 Pappeln gemacht.
Von Daniela Partenzi
In Dreierreihen wiegen sich die Bäumchen zwischen den Feldern auf dem Lammertzhof in Kaarst im Wind. Ein Feld ist regelrecht umrahmt. "Die haben wir extra gepflanzt, weil davor mal die Bühne stehen soll", sagt Biobauer Heiner Hannen, der zwei Hektar Fläche für das Projekt zur Verfügung gestellt hat.
Pappeln gegen Wind und Trockenheit
Von den Pappeln verspricht er sich mehr Artenvielfalt, Windschutz, Schatten und Hilfe, wenn es heiß wird: "Die wurzeln 3,50 Meter tief, das heißt sie holen Grundwasser nach oben, verdunsten das und werden damit meine Kulturen kühlen." Skeptisch ist er, wie gut seinen Kartoffeln das Ganze bekommt, denn die mögen es lieber trocken. Verdienen wird er an den Pappeln übrigens auch: zweimal soll das Holz geerntet werden können, das als Baustoff begehrt ist.
Alle Glühbirnen ersetzt
Finanziert haben die Düsseldorfer Symphoniker und Tonhalle die 5.000 Pappeln, die auch etwas von dem Projekt haben. Sie sind schon länger bemüht, ihren Co2-Fußabdruck zu reduzieren. Es gibt keine einzige Glühbirne mehr im ganzen Haus. Tausende wurden durch LED-Leuchten ersetzt, was jährlich zehntausende Euro an Stromkosten spart. Die Energie ist seit 2022 komplett auf Ökostrom umgestellt. Intendant Michael Becker war deshalb sofort überzeugt von der Idee des Hornisten Uwe Schrumpf.
Zukunftsweisendes Projekt vor der Haustür
Landwirt Heiner Hannen freut sich über die Kooperation
"Ein Glücksfall für uns", sagt Schrumpf. Er hat drei Jahre lang nach einem experimentierfreudigen Landwirt im Düsseldorfer Umland gesucht. "Wir wollten nicht einfach schnöde kompensieren, sondern etwas Zukunftsweisendes hier bei uns vor der Tür machen." Schon seit Studienzeiten engagiert sich Uwe Schrumpf im Umweltschutz.
Raubbau für die Stradivari
Gemeinsam mit Kollegen aus ganz Deutschland hat er bereits verschiedene Projekte hochgezogen, unter anderem eins für Aufforstung in Madagaskar: "Ebenholz und Palisander wurden schon immer für den Instrumentenbau benutzt. Um an dieses Holz zu kommen, wurde dort sehr viel Raubbau betrieben – und das über Jahrhunderte hinweg." Schon Stradivari habe die Edelhölzer aus Madagaskar verwendet.
Musik für den Umweltschutz
Das Projekt wurde von Vivo Carbon ausgeführt, einem Startup, das Forstprojekte im Agrarbereich realisiert und die Landwirte über die Vorteile aufklärt. Die Kooperation mit den Düsseldorfer Symphonikern hat für den Biobauern Heiner Hannen ungeahnte Folgen: es hat ihm die klassische [Musik](https://www1.wdr.de/kultur/musik/index.html "Übersicht Musik") nähergebracht. Dreimal war er schon auf einem Konzert in der Tonhalle. Auch auf seinem Hof in Kaarst ist das erste Konzert geplant. In etwa zwei Jahren kommen die Symphoniker in Frack und Abendkleid zu ihrem ersten Auftritt auf dem Acker.