„In unseren Augen“ – Fotoausstellung in der Wertheim Arts Galerie
von Birgit Hannemann
Die Kultur in Kaarst befindet sich ganz offensichtlich nicht in einer Baisse. Einmal mehr wurde dies am Samstag in der Wertheim Arts Galerie eindrucksvoll unter Beweis gestellt, als zahlreiche Besucherinnen und Besucher der Einladung von drei Fotografen zu ihrer gemeinsamen Ausstellung folgten. Dabei zeigte sich erneut: Kultur lebt vom Dialog. Die Galerie war bis auf den letzten Platz gefüllt mit Menschen, die sich angeregt über die Fotografien austauschten – sowohl mit den Künstlern selbst als auch untereinander. Rege Kommunikation war angesagt.
Initiiert wurde die Ausstellung von Birgit Hannemann, Redakteurin beim KulturForum Kaarst, die die drei Fotografen mit der Galeristin Rena Wertheim zusammenbrachte: Den ehemaligen Pressesprecher und Kulturmanager der Stadt Kaarst, Klaus Stevens, den Kaarster Fotografen und Kunstförderpreisträger der Stadt Neuss, Amédé Ackermann und den Düsseldorfer Grafikdesigner und Fotokünstler Hanjo Conrad.
Göran Wessendorf, 1. Vorsitzender des KulturForum Kaarst, begrüßte die Anwesenden und nutzte die Gelegenheit, die Intention des KulturForums zu unterstreichen, nämlich Kulturschaffende und Kulturinteressierte miteinander zu vernetzen – digital ebenso wie im persönlichen Austausch. Am Samstag gelang dies auf besonders eindrucksvolle Weise.
Als Laudatorin führte die Fotokünstlerin und Museumsleiterin des Kulturbahnhofs Korschenbroich, Hilla Baecker, das Publikum kenntnisreich in die Biografien der drei Fotografen ein und vermittelte einen tiefgehenden Einblick in ihre jeweiligen Arbeitsweisen und künstlerischen Ansätze – wofür ihr großer Dank gebührt.
Unter den Gästen befanden sich zahlreiche weitere Vertreterinnen und Vertreter der Kunst- und Fotoszene, unter anderem vom Verein Kunst.Neuss, von der Fotogruppe ZWAR, Robert Jordan, Kurator und Organisator von Kunstausstellungen im Kloster Langwaden, sowie mit Udo Hempel sogar ein ehemaliger Olympiasieger – um nur einige zu nennen.
Ein paar Hintergrundinformationen zu den Fotografen: Klaus Stevens und Hanjo Conrad kennen sich bereits seit den frühen 1980er-Jahren, als sie sich als Nachbarn in Holzbüttgen schon damals über ihre gemeinsame Leidenschaft für die Fotografie austauschten. Umso bedauerlicher ist es, dass Hanjo Conrad krankheitsbedingt nicht persönlich an der Ausstellung teilnehmen konnte, sollte sie doch gerade die geteilte Begeisterung und Verbundenheit jener Zeit wieder aufleben lassen. Einige seiner Arbeiten waren am Vortag von der Galeristin aus Düsseldorf abgeholt worden. Conrad blickt auf eine beeindruckende künstlerische und fotografische Karriere zurück und war in zahlreichen Ausstellungen vertreten. In der Galerie sind seine impressionistisch anmutenden Fotografien zu sehen, die durch ungewöhnliche Aufnahmetechniken und digitale Bearbeitung bestechen. Kamera und Objekt befinden sich dabei oft in Bewegung, wodurch gezielte Unschärfen entstehen und völlig neue visuelle Eindrücke erzeugt werden.
Amédé Ackermann hingegen verschiebt in seinen Arbeiten bewusst Realitäten. Seine Architekturfotografien gehen weit über eine reine Dokumentation hinaus: Er verfremdet sie, indem er Gebäude in vollkommen neue landschaftliche Kontexte versetzt. So findet sich etwa eine Grillhütte im Moseltal eingebettet in eine madeirische Landschaft. Besonders eindrucksvoll sind auch zwei Fotos mit dem Titel „In Vielfalt geeint“, in denen Gebäude aus Italien und Madeira unter einem gemeinsamen Himmel stehen. Dieser Himmel wird zum verbindenden Element und symbolisiert ein vereintes Europa – eine Anspielung auf das europäische Motto, das sich im Titel widerspiegelt.
Der dritte Fotograf, Klaus Stevens, kommt ursprünglich aus der dokumentarischen Fotografie. Seit Jahrzehnten hält er mit großer Leidenschaft das kulturelle und politische Leben der Stadt Kaarst fest, ebenso wie Eindrücke von Reisen im In- und Ausland. Während der Corona-Pandemie erweiterte er sein fotografisches Spektrum um die Naturfotografie. In einer Zeit der Entschleunigung und sozialen Isolation nutzte er die ungewohnte Ruhe für neue Naturerfahrungen. Da sich Menschen weniger und leiser im öffentlichen Raum bewegten, wagten sich Wildtiere zunehmend in urbane Gebiete vor und erweiterten ihre Aktionsräume. Auch Vögel passten sich überraschend schnell an die ruhigere Umgebung an, mussten nicht mehr so laut schreien um ihr Revier zu markieren und ließen Menschen näher an sich heran. Diese „Corona-Stille“ und das spürbare „Aufatmen der Natur“ nutzte Stevens für seine Tieraufnahmen, die er seither regelmäßig auf Facebook veröffentlicht. In der Ausstellung sind daher auch einige seiner eindrucksvollen Landschafts- und Tieraufnahmen zu sehen.
Mit Dank an die Galeristin Rena Wertheim und ihre Frau Monica Wertheim, die sich in bewährter Weise ganz wunderbar um die Versorgung der Gäste kümmert. (bh).-
Die Ausstellung ist noch bis zum 14. Februar in der Wertheim Arts Galerie, Rathausplatz 4, Kaarst-Büttgen, zu besichtigen.
Öffnungszeiten nach der Vernissage: Mittwoch von 10:30 bis 12 Uhr sowie freitags und samstags von 16 bis 18 Uhr