Euphorischer Start, bitteres Ende: „Kulturforum Kaarst“ löst sich auf
von Neuß-Grevenbroicher Zeitung
VON ELISABETH KELDENICH KAARST Was so euphorisch begonnen hatte, ist seit Donnerstagabend Geschichte: Das „Kulturforum Kaarst“, dessen Vereinsgründung auf den 6. November 2023 datiert und das im Februar 2024 den Status als eingetragener Verein erhielt, beschloss bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung die Vereinsauflösung. Eine kurze Erfolgsgeschichte, die während des Corona-Lockdowns begann. Die Kulturschaffenden gründeten eine Plattform für ihre Arbeit, vernetzten sich digital und konnten auf diese Weise Interessierte informieren. 68 Mitglieder gehörten ihr am Schluss an, Elke Beyer war erst am 1. März 2026 eingetreten, wie sie erklärte. Zunächst schien alles nach Plan zu laufen. Die umfangreiche Website gab Einblicke in Live-Events, Künstler präsentierten dort ihre Werke und es gab einen Überblick über kulturelle Veranstaltungen in Kaarst. Auch die Kulturpolitik wurde aufgegriffen. Schüler des Albert-Einstein-Gymnasiums und des Georg-Büchner-Gymnasiums wurden per sogenannten „Hacking Partys“ zur Programmierung mit eingebunden: Das Forum schien die perfekte Symbiose zwischen Kulturschaffenden und Kulturinteressierten zu sein. Die Gestaltung und Rechte an der Website liegen und lagen ausschließlich bei Frank Ahlert. Die Rechte konnten nicht übertragen werden – darüber entstanden 2025 offenbar tiefgreifende Konflikte. Der Vorsitzende Göran Wessendorf, der im März 2024 noch ausführlich über die Pläne des Kulturforums in der NGZ berichtet hatte, trat auf der Jahreshauptversammlung am 27. Februar zurück. Drei weitere Vorstandsmitglieder hatten bereits Ende 2025 ihre Posten aufgegeben. Niemand stellte sich zur Wahl und so wurde die außerordentliche Mitgliederversammlung für den 26. März einberufen. 23 stimmberechtigte Mitglieder waren erschienen, was auf geringes Interesse schließen ließ. Die kommissarische Vorsitzende Maria Höveler leitete die Sitzung. In der ersten halben Stunde ging es um angeblich nicht eingehaltene Formalitäten, die aber eine außerordentliche Versammlung nicht betrafen. Hier offenbarten sich im Miteinander menschliche Animositäten, an denen der Verein letztendlich gescheitert sein dürfte. Wahlleiter Nikolaus Thoens vom „Kultursommer Kaarst“ suchte dann Kandidaten für vier Vorstände – niemand meldete sich. Joachim Marzinkowski, Vorsitzender des Fördervereins F3K, versuchte die Vereinsauflösung argumentativ noch abzuwenden. Er berichtete von einer erfolglosen Mediation 2025, um die zerstrittenen Parteien zusammenzuführen: Die Plattform sei eine einmalige Gelegenheit, Kaarster Kultur sichtbar zu machen. Es sei eine vertane Chance, keinen Neustart zu versuchen – es fehle dann eine starke gemeinsame Stimme. Leider sei der Gemeinschaftsgedanke völlig untergegangen. Nikolaus Thoens wandte ein, dass das Forum dem Bündeln von Interessen galt und zog eventuell eine neue Vereinsgründung in Betracht. Frank Ahlert erlebte inhaltliche Differenzen, die nicht ausgeräumt werden konnten. Alle Argumente nutzten nichts: Die Abstimmung über die Auflösung ergab 18 Ja- und zwei Nein-Stimmen sowie drei Enthaltungen, womit die nötige Zweidrittelmehrheit erreicht war. Eine Spende der Sparkassenstiftung Kaarst-Büttgen muss zurückgegeben werden. Thoens wird die Auflösung des Vereins abwickeln. Laut Ahlert bleibt die Website bestehen und alle Kulturtermine werden dort eingepflegt.