Eröffnung der 48. Herbstausstellung Kaarster Künstler

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Eröffnung der 48. Herbstausstellung Kaarster Künstler; Foto: Birgit Hannemann
Eröffnung der 48. Herbstausstellung Kaarster Künstler; Foto: Birgit Hannemann

Sagen, was war

Die Ausstellung begann mit einer Hohlrede, oder sollte ich sagen „Leerrede“? Und -nein- ich meine damit nicht die Rede unserer Bürgermeisterin Uschi Baum, die gewohnt freundlich und persönlich die Künstlerinnen und Künstler begrüßte und routiniert zusammen mit dem virtuosen Saxophonisten Uwe Krumbiegel, Dozent an der Musikschule Mark Koll, die Zeit überbrückte, bis auch der bestellte Kunstexperte zur Einführung in die Ausstellung eintraf. Martin Bochynek – Autor, Galerist, Kritiker, Berater und Kaarster Jurymitglied – zeigte schon durch sein Zuspätkommen, dass ihm, zumindest an jenem Abend, das Gespür für Zeit fehlte, Deutsche Bundesbahn hin, Regiobahn her. Auch seine Rede ließ mehr Fragen offen als irgendetwas zu beantworten. Zu gerne hätten die anwesenden Gäste etwas Aussagekräftiges über die immerhin zehn neuen Künstlerinnen und Künstler und ihre 20 Werke erfahren. Eine Orientierung, die Einzelgespräche bei einem so großen Publikumsaufkommen erleichtert hätte. Aber Fehlanzeige! So wünsche ich den Kaarster Künstlern bei ihrer nächsten Ausstellung ein besseres Händchen und mehr Glück bei der Auswahl ihres Redners. Die Kunsthistorikerin Sabine Elsa Müller zeigte bei einer Ausstellung im Oktober, wie das hervorragend geht.

Das ist aber auch alles, was moniert werden kann, denn die insgesamt von den Juroren ausgewählten 69 Kunstwerke – Drucke, Malereien, Fotografien, Keramiken, Mosaike, Radierungen, Stiche, Scherenschnitte und Gouachen zeigen die große Vielfalt, die unsere Stadt Kaarst an künstlerischer Expertise zu bieten hat. Einzig Skulpturen waren nicht vertreten. Im Publikum befand sich jedoch der Bildhauer Armin Baumgarten -seit vier Jahren auf den Tönishöfen präsent - und denkt jetzt vielleicht schon über eine Bewerbung für das kommende Jahr nach. Wünschenswert wäre es. Zum ersten Mal dabei mit einer Serie „Interpretation zu europäischer Kunst“ war die ukrainische Künstlerin Yuliia Balabukha, die nach ihrer Flucht aus dem kriegsgeplagten Land auf den Tönishöfen eine neue Bleibe und bei „Culture without Borders“ ein neues künstlerischen Zuhause gefunden hat. Ein Novum auch Heike Flint mit ihren Mosaiken. Mosaizisten gibt es außer in Rom hierzulande nur sehr wenige, aber eine davon lebt in Kaarst. Mit ihren drei Portraits „more Alicia, Madonna und George M.“ und ihrer erfrischenden Art zog sie viel Aufmerksamkeit auf sich und ihre excellenten Werke. Ins Grübeln kam man bei den Arbeiten von Anna Orlinski, Kunststudentin an der Kunstakademie in Düsseldorf in der Klasse von Sabrina Fritsch. Zwei ihrer Keramiken mit Lack und Pigment nennt sie „Phero orange und Phero blau“ – was auf Pheromone als Botenstoff zur Informationsübertragung zwischen Individuen hinweisen soll. Es sind grafische Formen, die zur Kontaktaufnahme anregen sollen, gerne auch mal als „kleine Störer“ zwischen andere Kunstwerke platziert. Trudi Sommer-Knuppertz, altbekannte Kaarster Künstlerin, zeigt mit „Tanz auf dem Papier“ zwei Tuschezeichnungen, die sie sozusagen „live“ während einer Tanzveranstaltung gezeichnet hat. Ein Zusammenwirken von Realität und Phantasie und wie bei all ihren Arbeiten ist ihr dabei Lebendigkeit besonders wichtig. Ein Hingucker die Fotografien von Gerlind Engelskirchen, ehemalige Künstlersprecherin und mehrfache Teilnehmerin an jurierten Ausstellungen. Genial die Idee der schwebenden Hängung ihrer Fotografien, in der Umsetzung allerdings schwierig, weil die Wirkung inmitten so viel anderer farbiger Objekte etwas verloren ging. Auf Fragen nach der heute vielfach angewandten Bildbearbeitung antwortete die Künstlerin, sie sei Fotografin und habe das Fotografenhandwerk von der Pike auf gelernt. Ihre Fotos sind pur, unbearbeitet, sie zeigen genau das, wie sie es aufgenommen hat: Authenticity matters. In einer Hommage wurde auch der Kaarster Künstlerin Antonia Dombrowsky gedacht, die vor fünf Jahren zu ihrer Tochter nach Frankreich gezogen war. Im letzten April verstarb sie dort. Drei ihrer erst 2022 entstandenen Arbeiten „Cadmium Gelb 1, 2 und 3“ hängen in der Ausstellung und in Anwesenheit ihrer Tochter erinnerte man sich gemeinsam an Antonia, die so viele Jahre das künstlerische Leben in Kaarst mitgeprägt hat.

Wie immer ist es unmöglich, in solch einem Text alle Künstler zu besprechen. Den interessierten Bürgern sei daher zu empfehlen, die Herbstausstellung Kaarster Künstler in aller Ruhe zu besuchen und jedes einzelne Werk mit Muße zu genießen. Neben den normalen Öffnungszeiten des Büttgener Rathauses kann man das auch sonntags in der Zeit von 11 bis 17 Uhr. Dann trifft man auch ganz sicher mindestens einen der Ausstellenden an, die sehr gerne mit ihrer künstlerischen Fachkenntnis durch die sehenswerte Ausstellung führen werden.

Alle teilnehmenden Kaarster Künstler und Künstlerinnen, ob neu oder langjährig vertreten, möchte ich darüber hinaus einladen, sich mit ihrem Profil und einer Mini-Webseite auf unserer Plattform www.kulturforum-kaarst.de zu beteiligen, sofern noch nicht geschehen (bh).-

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